Wasser: der unterschätzte Superheld im Napf
- Elisabeth Clara Weber

- 16. Jan.
- 7 Min. Lesezeit

Wenn wir über BARF reden, landen wir schnell bei Muskelfleisch, Innereien, Knochen, Omega-3 & Co. Und dann steht da dieser stille Napf mit Wasser neben dem Futter – und wirkt… naja… wie der langweilige Cousin vom Lachsöl.
Plot-Twist: Wasser ist zwar im eigentlichen Sinne kein “Nährstoff”, aber ohne Wasser läuft im Körper praktisch gar nichts. Es ist die Bühne, auf der Stoffwechsel überhaupt erst stattfinden kann – und gleichzeitig der Kurierdienst, die Müllabfuhr und die Klimaanlage in einem.
Warum Wasser so wichtig ist
Wasser ist unentbehrlich für unzählige Prozesse:
Transport & Lösungsmittel: Nährstoffe werden gelöst, transportiert und dahin gebracht, wo sie gebraucht werden.
Ausscheidung: Stoffwechsel-Abfallprodukte müssen raus – vor allem über Urin (Nieren!) und auch über den Kot.
Körperflüssigkeiten & Volumen: Blut, Lymphe, Verdauungssäfte – alles wasserbasiert. Ein großer Teil des Körpervolumens besteht aus Wasser.
Temperaturregulation: Besonders wichtig beim Hund – Stichwort: Hecheln.
Wo Wasser verloren geht (und warum manche Tage „durstiger“ sind)
Hunde und Katzen verlieren ständig Wasser – ganz normal – über:
Urin
Kot (bei Durchfall besonders viel!)
Muttermilch bei laktierenden Hündinnen/Kätzinnen
Verdunstung (abhängig von Temperatur & Aktivität)
Hund vs. Katze – kleiner Evolutions-Exkurs mit Aha-Effekt:
Hunde können bei Wärme/Bewegung durchs Hecheln ordentlich Wasser verlieren.
Katzen sind evolutionär „Wassersparfüchse“ (Wüsten-/Steppen-Herkunft): Sie hecheln meist erst bei sehr hohen Temperaturen und können Urin stärker konzentrieren – sie kommen also besser mit wenig Wasser klar (wollen aber trotzdem nicht austrocknen, bitte nicht falsch verstehen!).
Schwitzen? Bei beiden eher Nebensache – der Wasserverlust über Schweiß spielt kaum eine Rolle.
Trinkwasser + Futterwasser: Die zwei Quellen
Die Wasserzufuhr setzt sich zusammen aus:
Trinkwasser
Wasser im Futter
Und hier wird’s für BARF & Nassfutter richtig spannend:
BARF/Feuchtfutter hat grob ~70–80 % Feuchtigkeit.
Trockenfutter liegt grob bei ~8–10 % Feuchtigkeit.
Heißt ganz praktisch:
Gebarfte Tiere (und Nassfutter-Tiere) trinken oft deutlich weniger, weil sie schon übers Futter viel Wasser bekommen.
Bei Katzen ist das besonders relevant: Ihr Körper ist darauf ausgelegt einen großen Teil des Wasserbedarfs über Beute/Futter zu decken – sie sind häufig echte Trinkmuffel.
Wasserbedarf: Wie viel ist „normal“?
Der Wasserbedarf ist nicht bei jedem Tier gleich. Er hängt u. a. ab von:
Futterart (BARF/nass vs. trocken)
Umgebungstemperatur
Aktivität
Körpergröße
Gesundheitszustand
Laktation (sehr hoher Bedarf)
Durchfall/Erbrechen (hoher Verlust)
Grober Richtwert (als Orientierung, nicht als Prüfung):
Der Gesamt-Flüssigkeitsbedarf liegt bei Hund und Katze häufig zwischen 40-60 ml/kg Körpergewicht pro Tag.
Wichtig: Das ist Gesamtwasser – also inklusive dem Wasser aus dem Futter. Deshalb kann ein gebarfter Hund „scheinbar wenig“ trinken und trotzdem top versorgt sein.
Faustregel für dich zuhause:
➡️ Beobachte Trinkverhalten + Urinabsatz im Alltag. Nicht jeder Schluck ist gleich, aber plötzliche Veränderungen sind immer ein Signal: „Hey, einmal genauer hingucken.“
Krankheitsbedingte Veränderungen im Trinkverhalten
Jetzt der Teil, der wirklich wichtig ist – und der oft unterschätzt wird: Trinken und Pieseln sind Frühwarnsysteme. Nicht immer dramatisch, aber häufig hinweisend.
Wenn plötzlich deutlich mehr getrunken wird (Polydipsie)
mögliche Ursachen (Auswahl, nicht vollständig):
Nierenerkrankungen (Hund & Katze)
Diabetes mellitus
Harnwegsinfekte/Entzündungen
Cushing-Syndrom (v. a. Hund)
Schilddrüsenüberfunktion (v. a. Katze)
Gebärmutterentzündung (Pyometra) bei nicht kastrierten Hündinnen
Medikamente (z. B. Kortison, entwässernde Mittel)
Merksatz: Wenn „mehr trinken“ zusammen mit „mehr pinkeln“ auftaucht – nicht wegwinken.
Wenn deutlich weniger getrunken wird
mögliche Gründe:
Übelkeit, Bauchschmerzen, Magen-Darm-Probleme
Fieber
Schmerzen (z. B. Bewegung, Bauch, Blase)
Zahn-/Maulprobleme (Trinken tut weh → wird gemieden)
Stress (Umzug, neue Tiere, Urlaub, Silvester-Flashbacks)
allgemeine Schwäche/Teilnahmslosigkeit
Red Flags: Wann bitte zeitnah abklären lassen?
plötzlicher starker Wechsel im Trink- oder Urinverhalten (ohne offensichtlichen Grund wie Hitze/mehr Sport)
sehr viel Trinken über mehrere Tage
sehr wenig/gar kein Trinken (insbesondere zusammen mit Mattigkeit)
Erbrechen, Durchfall, Fieber, Apathie
Blut im Urin, Schmerzen beim Urinieren, häufiges „nur tröpfeln“
Welpen/Kitten, Senioren, chronisch kranke Tiere: lieber einmal mehr reagieren als einmal zu spät
Woran erkenne ich Wassermangel?
Wenn zu wenig Wasser zugeführt wird, mobilisiert der Körper Wasser aus Geweben – sichtbar wird das u. a. durch:
1) Hautfaltentest (Hautelastizität)
Zwischen den Fingern am Nacken eine Hautfalte anheben und loslassen:
Schnappt sie sofort zurück? → meist okay
Bleibt sie stehen/kommt langsam zurück? → kann ein Hinweis auf Dehydrierung sein
(Hinweis: Bei sehr schlanken, sehr alten oder sehr übergewichtigen Tieren kann der Test ungenauer sein – daher immer im Gesamtbild betrachten.)
2) Schleimhäute checken
feucht & glatt ist gut
trocken, klebrig kann auf Flüssigkeitsmangel hindeuten
3) Urin: Menge & Farbe
Bei Dehydrierung versucht der Körper Wasser zu sparen → Urin wird konzentrierter (dunkler, intensiver).
Und ja: Ein kompletter Wassermangel wird schnell lebensgefährlich. Bereits ein deutliches Defizit kann dramatische Folgen haben – deshalb: Wasser ist kein optionales Extra.
Praktische Basics: So klappt’s mit der Wasserversorgung
Immer: frisches Wasser zur freien Verfügung
Klingt banal, ist aber der Klassiker.
Pro-Tipp für Katzen: Viele Katzen trinken lieber, wenn der Wassernapf nicht direkt neben dem Futternapf steht. (Warum? Katzenlogik. Aber hey – funktioniert.)
Mehrere Trinkstellen
Wohnzimmer
Flur
Schlafzimmer (ja, wirklich – manche trinken nachts gern)
bei Mehrkatzenhaushalten: lieber mehr Näpfe als Drama
Trinkbrunnen: für viele Katzen ein Gamechanger
Fließendes Wasser wirkt oft attraktiver – und kann die Trinkmenge steigern.
Napf-Feinschmecker? Gibt’s wirklich.
Manche Tiere mögen:
Keramik oder Edelstahl lieber als Plastik
breite Schalen (bei Katzen wegen „Whisker Stress“)
kühles oder zimmerwarmes Wasser – je nach Typ
Trinkmuffel-Hacks (ohne dass du zum Barkeeper wirst)
Für Hund & Katze:
Wasser ins Futter mischen (bei BARF super easy)
ungewürzte Brühe (z. B. selbst gekocht, ohne Zwiebel/Knoblauch, ohne Salz) als „Aromawasser“
Mini-Schuss Thunfischwasser (im eigenen Saft, nicht in Öl, nicht täglich – eher als Trick)
Eiswürfel (manche Hunde feiern’s, manche Katzen auch – andere sind beleidigt)
nach dem Spielen/Spaziergang aktiv anbieten (viele trinken dann zuverlässiger)
Wasserqualität & Hygiene: Der unsichtbare Biofilm ist der Endgegner
Wassernäpfe sind kleine Biotope – besonders wenn sie nur „nachgefüllt“ statt gereinigt werden.
➡️ Täglich ausspülen, regelmäßig gründlich reinigen (warm, ggf. mildes Spüli, gut nachspülen).
Trinkbrunnen: Filter und Teile nach Plan reinigen/tauschen – sonst wird aus „frisch“ schnell „Aquarium“.
Unterwegs: Pfützen sind kein Premium-Getränk
Bei Hunden gilt: Nicht aus Pfützen oder kleinen, stehenden Gewässern trinken lassen, insbesondere wenn sie von Nagern aufgesucht werden – Stichwort Leptospirose-Risiko.
Besser: eigenes Wasser mitnehmen (Flasche + Napf oder Reise-Trinkflasche).
Bei Katzen spielt das Thema meist eine kleinere Rolle – aber Outdoor gilt natürlich auch: lieber sichere Wasserquellen.
Überversorgung: Kann man „zu viel“ trinken?
Im Alltag: sehr selten. Wichtig ist die Unterscheidung:
Mehr trinken, weil es heiß ist/viel Bewegung war/Krankheit vorliegt → keine Wasservergiftung.
Wasservergiftung (Hyperhydration) passiert vor allem, wenn sehr große Mengen in kurzer Zeit aufgenommen werden – typischerweise beim Spielen im Wasser (Bälle/Spielzeug im Wasser, wildes Planschen, ständiges Wasserschlucken).
Symptome einer Wasservergiftung (Notfall!)
Abgeschlagenheit
starkes Speicheln
Erbrechen
aufgeblähter Bauch
Unruhe
Koordinationsstörungen, Atembeschwerden
später Krämpfe, Koma
➡️ Das ist ein medizinischer Notfall. Bitte sofort tierärztlich abklären lassen.
Prävention: Wasser-Spiele dosieren, Pausen machen, nicht „Ball aus dem Wasser“ eskalieren lassen.
Mini-FAQ & Mythen
„Mein gebarfter Hund trinkt kaum – ist das schlimm?“
Nicht automatisch. BARF bringt viel Wasser mit. Entscheidend sind Allgemeinbefinden, Urin, Schleimhäute, Verhalten.
„Meine Katze trinkt nie!“
Viele Katzen trinken wenig – aber bei Trockenfutter kann das problematisch werden, weil das Futter kaum Wasser liefert. Mit BARF/Nassfutter ist die Versorgung oft deutlich besser. Zusätzliche Trink-Strategien können trotzdem sinnvoll sein.
„Leitungswasser wird verweigert – was nun?“
Manche Tiere haben echte Präferenzen. Du kannst verschiedene Näpfe/Orte probieren. (Und ja: Manche finden Regenwasser spannender – hygienisch ist das aber nicht automatisch besser.)
BerliNapf-Abschluss
Wasser ist vielleicht nicht das glamouröseste Thema im BARF-Universum – aber es ist fundamental. Wenn du nur eine Sache aus diesem Beitrag mitnimmst, dann diese: Trink- und Piesel-Verhalten sind Gesundheitsbarometer. Nicht panisch werden – aber hinschauen lohnt sich.
Wasser & BARF: Die häufigsten Fragen im BerliNapf-Laden (plus ehrliche Antworten)
„Mein Hund trinkt seit BARF viel weniger – ist das normal?“
Meistens: ja. BARF (und Nassfutter) bringen bereits viel Wasser mit – grob um die 70–80 % Feuchtigkeit. Wenn vorher Trockenfutter gefüttert wurde, hat dein Tier den Wasseranteil vorher fast komplett aus dem Napf holen müssen.
Wichtig: Schau nicht nur auf die Trinkmenge, sondern auf das Gesamtbild: Urin, Schleimhäute, Energielevel, Fell, Kot.
„Meine Katze trinkt sowieso kaum. Muss ich mir Sorgen machen?“
Katzen sind evolutionär echte Wassersparer und decken Flüssigkeit in der Natur über Beute. Viele trinken deshalb „gefühlt nie“. ABER: Bei Trockenfutter kann das zum Problem werden, weil kaum Wasser übers Futter kommt. Bei BARF/Nassfutter ist die Basis oft deutlich besser.
Praxis-Tipp: Stell Wasser nicht direkt neben den Futternapf und biete mehrere Trinkstellen an. Trinkbrunnen sind für viele Katzen ein echter Cheat-Code.
„Wie viel Wasser ist denn ‘richtig’?“
Als grobe Orientierung: 40–60 ml pro kg Körpergewicht pro Tag (Gesamtwasseraufnahme). Das ist aber kein „Du musst auf den Milliliter genau“-Thema, weil Temperatur, Bewegung, Futter, Gesundheitszustand und Alter extrem mit reinspielen.
Besser als Milliliter zählen: Beobachte, ob dein Tier stabil ist – und ob es plötzlich anders wird.
„Woran erkenne ich, ob mein Tier dehydriert ist?“
Zwei schnelle Checks für zuhause:
Hautfaltentest: Hautfalte anheben, loslassen – schnellt sie sofort zurück? Gut. Bleibt sie stehen/kommt langsam? Kann auf Dehydrierung hindeuten.
Schleimhäute: feucht = gut, trocken/klebrig = eher kritisch.
Und: Urin wird bei Flüssigkeitsmangel oft dunkler/konzentrierter, weil der Körper Wasser spart.
„Mein Tier trinkt plötzlich viel mehr (oder viel weniger) – woran kann das liegen?“
Das ist ein Klassiker – und wichtig. Ursachen können harmlos sein (Hitze, mehr Aktivität), aber auch gesundheitlich:
Mehr trinken kann z. B. zusammenhängen mit Nierenproblemen, Diabetes, Infekten, Schilddrüsenthemen (Katze), Cushing (Hund) oder Medikamenten (z. B. Kortison).
Weniger trinken sieht man häufiger bei Übelkeit, Fieber, Schmerzen (auch Zähne!), Stress oder allgemeiner Schwäche.
Red Flag: Plötzliche starke Änderungen über mehrere Tage, plus Mattigkeit/Erbrechen/Durchfall → bitte abklären lassen.
„Wie bringe ich einen Trinkmuffel zum Trinken?“
Ohne Zirkus, aber mit Wirkung:
Wasser ins Futter (bei BARF super easy)
ungewürzte Brühe als Aromawasser (ohne Salz, ohne Zwiebel/Knoblauch)
mehrere Wasserstellen in der Wohnung
Trinkbrunnen (v. a. Katzen)
Napfmaterial testen (Keramik/Edelstahl statt Plastik)
nach Spaziergang/Spiel aktiv anbieten
„Darf mein Hund aus Pfützen trinken?“
Kurz: lieber nicht. Vor allem Pfützen und kleine stehende Gewässer können (u. a. über Nagetiere) Krankheitserreger mitbringen – Stichwort Leptospirose-Risiko.
Besser: eigenes Wasser mitnehmen. Dein Hund findet’s kurz doof – seine Nieren finden’s langfristig super.
Bonusfrage (die meistens erst nach dem dritten Sommer kommt): „Kann ein Hund zu viel Wasser trinken?“
Im Alltag: fast nie. Eine Wasservergiftung passiert eher, wenn beim Spielen im Wasser sehr große Mengen in kurzer Zeit geschluckt werden (Dauerplanschen, Ball aus dem Wasser, wildes Beißen ins Wasser).
Symptome wie Erbrechen, Unruhe, Koordinationsprobleme, Atemnot → Notfall.

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